Von Kulturkonflikten keine Spur

Von Kulturkonflikten keine Spur

Das internationale Projekt WWOOF ermöglicht Aufenthalte auf ökologischen Höfen im In- und Ausland
VOIGTHOLZ. Ferien einmal anders: statt sich am Badesee einen faulen Lenz zu machen, lernen viele Jugendliche und Junggebliebene das Leben auf einem ökologischen Hof kennen. Das 1987 gegründete Projekt Worldwide Opportunities On Organic Farms (WWOOF) macht dies möglich.

Seit elf Jahren nimmt auch Ulf Lahmann mit seinem ökologischen Bioland in Voigtholz an dem Projekt teil und begrüßt Neugierige aus der ganzen Welt. Egal ob Russen, Australier oder Japaner, lang ist die Liste seiner Besucher. Fünf bis sechs so genannter Wwoofer arbeiten jährlich auf seinem Hof, dieses Jahr beherbergte er sogar zehn.
Das Projekt funktioniert denklich einfach: Interessierte helfen halbtags auf einem ökologischen Hof im In- oder Ausland. Wohnung und Verpflegung wird ihnen dafür gestellt. Mit gänzlich unterschiedlichen Motivationen verbringen die Wwofer mindestens eine Woche auf dem Hof des Biolandwirts: Viele möchten das ländliche Leben kennenlernen, andere ihre Sprachkenntnisse vertiefen oder die Gegend erkunden.

Eins überrascht: Kulturkonflikte gibt es nicht. “Voraussetzung ist es, Englisch zu sprechen. Die meisten Wwofer haben einen ähnlichen Bildungshorizont, daher verstehen wir uns oft auf Anhieb.” So auch mit Bettina Hansmeier aus Krefeld und Simon Pompös aus Witten, die derzeit auf seinem Hof leben. Fünf Wochen seiner Ferien verbrachte der 16-jährige Simon in Voigtholz. “Ich bin positiv überrascht von dem Aufenthalt. Morgendliches Unkrauternten, Feldarbeit und Knoblauchernte: Ich habe hier nicht nur viel gelernt, sondern auch jede Menge Spaß gehabt”, erzählt der Waldorfschüler.

In der Tat ist der Hof von Ulf Lahmann einer der vielseitigsten: Eine Holzofenbäckerei, eine Berufsimkerei und gar einen kleinen Weinstock beherbergt der 42-jährige auf seinem Bioland neben Schweinen, Rindern, Schafen, Gänsen und Hühnern. Aufgebaut hat Lahmann den Hof im Jahr 1986 im Alter von 24 Jahren nach dem Absolvieren seines Biologiestudiums. Seitdem wächst das Anwesen und mit ihm seine Vielfalt.

In seinem Bioladen kann man sich von der Qualität der selbst angebauten Produkte überzeugen. Mit verschiedensten Obstsorten, leckerem Honig und Backwaren können sich Besucher eindecken. Doch Lahmann ist auch überzeugter Selbstversorger: “Das Projekt WWOOF möchte verschiedene Menschen zusammenführen und vor allem von der Nutzung biologischer Ressourcen überzeugen.”

Informationen zu dem Projekt gibt es unter www.wwoof.de. Wer einen Aufenthalt auf einem ökologischen Hof plant, sollte Mitglied bei WWOOF-Deutschland sein.

Von Jasmin Hauch